Gedanken & Philosophie

Eine meiner wichtigsten, schönsten und größten Aufgaben ist es, durch das, was ich auf dem Klavier spiele, mein Publikum zu fesseln und vor allem emotional zu berühren. Ich möchte das, was ich für die Musik empfinde, mit meinem Publikum teilen. Meine pianistischen Vorbilder sind vor allem Artur Schnabel, Alfred Cortot und Vladimir Horowitz. Schnabel fasziniert mich aufgrund seines geistig durchdringenden, tief empfundenen und sehr lebendigen Klavierspiels, Cortot aufgrund seiner unglaublichen musikalischen Fantasie und Klanggestaltung und Horowitz wegen seiner unendlichen pianistischen Differenziertheit und seiner aberwitzigen Virtuosität. Von den aktuellen, konzertierenden Pianisten sprechen mich Martha Argerich, Bruno-Leonardo Gelber, Evgeni Kissin, Ivo Pogorelich, Maurizio Pollini und Arcadi Volodos am meisten an. Besucht man Konzerte von ihnen, hat man einerseits einen großen Hörgenuß durch tiefgründige Interpretationen während des Konzertes und andererseits wird man auch mit musikalischer Nachhaltigkeit konfrontiert. Ihr Spiel klingt nach. Man hat es auch noch nach Tagen, Wochen und Monaten in plastischer und sehr angenehmer Erinnerung. Diese Pianistinnen und Pianisten waren und sind für mich wichtige Vorbilder und Meilensteine in der großen und vielseitigen Welt der Pianistik. Meiner Meinung nach hat die klassische Musikszene leider in den letzten Jahren (vielleicht sogar Jahrzehnten) große Schäden erleiden müssen. Es gibt Kräfte, die bewirken wollen, dass musikalische Individualität und wirklich hohe künstlerische Qualität immer mehr verschwinden. Der (vielleicht sogar gut gemeinte) Versuch, klassische Musik wie Pop-Musik zu vermarkten mit einer Fokussierung auf Äußerlichkeiten, im reduzierten Clip-Format und mit mittelmäßigen und kaum unterscheidbaren Interpretationen, ist zum Scheitern verurteilt. Er wird dem Anspruch und dem Geiste dieser Musik in keiner Weise gerecht. Normierungen und Individualitätsverlust sind die vielleicht größten Feinde der wahren Kunst. Wahre Kunst bzw. in diesem Falle Musik muß individuell durchlebt, durchlitten und dargestellt werden. Das Publikum sollte berührt und/oder aufgerüttelt werden durch die Musik, natürlich nicht durch billige Effekthascherei, sondern durch Interpretationen von hoher künstlerischer Qualität.